surface_02

Microsoft goes Tablet – endlich!

19 Jun

Der IT-affine und neugierige Mensch hat es gewußt – Microsoft hatte für gestern eine Veröffentlichung angekündigt. Man war sich darüber einig, dass es groß werden würde. Um genau zu sein, es ist 10,6″ groß – aber der Reihe nach. Steve Ballmer hat das Projekt Surface gestern Abend der Welt vorgestellt – und sie sah, dass es gut war. Zu theatralisch und ohnehin alles zu spät?  Eigentlich nicht. Kleine Zeitreise gefällig?

Time Warp:
Als ich vor über zehn Jahren meine Zeit in diesem Unternehmen begann, gab es vom Microsoft im Wesentlichen zwei Produktlinien – das Betriebssystem Windows und die Office-Familie; keine Lenkräder, keine Tastaturen, keine Spiele. Aber: Im Wohnzimmer ist Geld zu verdienen, also warf Microsoft 2002 die erste Xbox auf den Markt. Geben wir es zu – niemand hat ihnen viele Chancen eingeräumt. Es gab damals genau zwei Namen auf dem Markt, Nintendo und Sony, und damit hatte es sich. Microsoft hatte aber ein paar innovative Ideen, um eine Fangemeinde aufzubauen. Zum einen verkauften sie die Konsole schnell unter Wert – die Xbox kam zum Start für 479€, keine sechs Wochen später kostete sie nur noch 299€. Nach zwei Jahren bekam man sie für 149€. Zum zweiten bot die Xbox bot gleich zu Beginn schon Online-Inhalte, und dass HALO exklusiv für diese Konsole kam, hat sicher auch nicht geschadet. Heute ist jede zweite verkaufte Konsole eine Xbox – Kinect sei Dank.

Der Vergleich mag hinken, aber was ich damit sagen will ist: Apple und Google haben ihre Tablet-Systeme seit mehr als zwei Jahren am Markt und sind würdige Kontrahenten – genau wie Sony und Nintendo vor zehn Jahren.  Microsoft hat aber genug Ressourcen und Erfahrung, um zu warten. Sie mussten lernen, dass man nicht schüchtern um die Ecke kommt und um ein Stück vom Kuchen bittet – man muss möglichst viel Krach schlagen und und mit Angeboten kommen, die mitreissen. Manchmal klappt das, siehe Xbox, manchmal nicht – siehe Zune. MS hat jedenfalls schon bei Windows Phone Durchhaltevermögen bewiesen, hier wird es nicht anders sein.

Surface?
Zurück zu Surface. Nein, wartet noch kurz – Surface? Da war doch mal was. Ja, Surface hieß doch auch der Multitouch-Tisch, den MS 2007 vorgestellt hat – es gab vor gut einem Jahr erst eine neue Version in Zusammenarbeit mit Samsung. Wie schon bei on{x} ist die Namensgebung also leider alles andere als glücklich – aber vielleicht gibt es dann ja bald ein Win8-Update für den Surface-Tisch.

Die Software:
So, nun aber zu den Daten. Die Tablets von Microsoft kommen in zwei Geschmacksrichtungen. Zum einen eine Surface RT benannte Version für ARM-Prozessoren, wie wir sie alle aus unseren Handys oder Tablets kennen und auf der die aus Windows 8 RCS bekannte Metro-Oberfläche mit ihren Kacheln läuft. Zum Anderen haben wir Surface Pro, die auf X86-Technologie läuft und auf einer Ultrabook-Basis arbeitet. Dafür kann man in der Pro-Version zusätzlich zur Metro-Oberfläche das reguläre Windows einblenden und dort alles laufen lassen, was man auch vom heimischen PC kennt – das könnte die perfekte Symbiose aus Notebook und Tablet werden.

Die Hardware (soweit bekannt):
Beide vorgestellen Geräte verfügen über ein 10,6″-Display mit HD-Auflösung und GorillaGlass. Das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung, die Microsoft VaporMg nennt. Hier ein Gimmick, über das ich als Archos-Nutzer besonders freue: Die untere Hälfte der Rückseite lässt sich abklappen und dient als Ständer – sowas sollte wirklich jedes Tablet haben. Kameras auf Vorder- und Rückseite verstehen sich von selbst, für die WLAN-Anbindung stehen 2×2 MIMO-Antennen zur Verfügung, wodurch der WLAN-Empfang laut Ballmer besser als bei jedem anderen Tablet sein soll.

Das RT-Modell mit einem nicht näher genannten ARM-Prozessor verfügt über ein „ClearType-HD-Display“, was wohl eine Annäherung an Apples Retina bedeuten soll. Es ist 9,3mm dick, wiegt 679 Gramm und kommt wahlweise mit 32 oder 64GB Flashspeicher. An Schnittstellen sind bislang ein MicroSDHC, ein USB2- und ein Micro-HDMI-Port bekannt, der Akku soll 31,5 Wh groß sein.

Das Surface Pro-Modell auf IvyBridge-Basis kommt mit gleich großem Display, allerdings in FullHD. Es ist deutlich schwerer (903g) und dicker (13,5mm), hat aber auch einen deutlich größeren Akku (42 Wh). Aktueller PC-Technik sei Dank verfügt es auch über aktuellen Schnittstellen – microSDXC-Leser, USB3.0, Mini DisplayPort. Zur Auswahl stehen ein 32GB und ein 128GB-Modell. Was die Kühlung betrifft, wurden keine Aussagen gemacht – es würde uns aber wundern, wenn das Pro-Modell ohne aktiven Lüfter auskommt.

Hübsch-häßlich aber technisch beeindruckend sind die Cover, die per magnetischer Halterung angebracht werden können: Das Surfache Type Cover ist 5mm dünn und eine echte Hardwaretastatur mit Tastaturhub und Trackpad. Das zwei Millimeter dünnere Surface Touch Cover besitzt ebenfalls fühlbare Tasten, aber keinen Hub – Sensoren erfassen die Anschläge. Über einen Lagesensor wird die Eingabe beim Zusammenklappen abgeschaltet. Wie die Tastatur mit dem Tablet kommuniziert ist unbekannt – vermutlich Bluetooth. Die Cover sind in allen erdenklich schreienden, pardon, geschmackvollen Farben verfügbar.

Die Apps?
Das ist dann der Knackpunkt, nicht wahr? Windows Phone hat lange hinterhergehinkt, ist aber im Kommen. Für die Surface Pro-Version machen wir uns da auch keine Sorgen, denn hier  läuft jedes PC-Programm. RT allerdings…. hoffen wir mal das Beste. MS hat mittlerweile genug Erfahrung in dem Bereich, um etwas Großes zu reißen. Man darf gespannt bleiben.

Wann kommt es und was kostet es?
Das ist die Antwort, die Microsoft schuldig bleibt. Was den Preis angeht, so soll dieser „konkurrenzfähig“ sein, nur: wer ist diese Konkurrenz? Mal ganz ins Blaue geschossen würde ich das Surface RT bei 600€ aufhängen, etwa auf iPad-Niveau. Das Surface Pro ist eigentlich ein tastaturloses Ultrabook und wird sich daher wohl im Bereich 1000€ ansiedeln. Nun kommt es darauf an, wie aggressiv Microsoft seine Tablets auf den Markt bringen will – siehe Xbox.

Fazit:
Versteht mich nicht falsch – ich mag mein Android-Phone und mein Tablet, aber der Versions-Hickhack geht mir auf die Nerven. Verständlich aber dennoch ärgerlich, dass ich mein Win7-Mediacenter damit aber nicht komfortabel steuern kann. Natürlich gibt es eine App für WindowsPhone ebenso wie Frickellösungen für Android, aber hey – es soll schick und shiny sein, sonst gehört es nicht ins Wohnzimmer, und das sieht bei Surface wirklich gut aus. Ob man ein Cover braucht muss jeder selbst beurteilen – gerade beim Pro-Modell sind wir dann schnell wieder beim regulären Notebook, das fällt wohl eher unter „nice to have“.
Ich freu mich drauf und hoffe mal auf ein aggressives Pricing.

Alle Bilder von http://www.microsoft.com

Den ALTERNATE Blog auch bei Google Kiosk lesen: Jetzt abonnieren

4 Rückmeldungen zu “Microsoft goes Tablet – endlich!”